Bereits im Gebet erwähnte der Bezirksapostel die Beziehung, die wir zu Gott haben. Wir kennen ihn als einen Gott der Liebe, der stärkt, aufrichtet und Mut macht. Der Bezirksapostel sprach an diesem Abend über Johannes den Täufer, der eine wichtige Aufgabe erfüllte: Er bereitete dem Herrn Jesus den Weg. Manchmal wird Johannes der Täufer etwas negativ dargestellt, da er das Gericht predigte, verbunden mit der Warnung vor der Strafe des kommenden Messias.
Als Jesus kam, bemerkten die Menschen, dass viele ihm und nicht mehr Johannes dem Täufer folgten. Sie sprachen Johannes darauf an: „Viele folgen nun Jesus und kommen nicht mehr zu dir.“ Johannes antwortete darauf: „Das ist gut so. Das ist genau das, was ich will. Denn Jesus muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
Die Juden hatten damals ein anderes Glaubensverständnis als Jesus lehrte. Sie glaubten, dass die Einhaltung der Gesetze Segen, Wohlstand, Gesundheit und Wohlergehen bringe, während die Nichtbeachtung der Gesetze Strafe nach sich ziehe. Man erwartete vom Messias die Errichtung eines neuen Reiches. Doch Jesus sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Dies entspricht dem Alten Testament. Manchmal verharren auch wir Menschen und Christen in diesem alttestamentlichen Denken. Jesus stellte den Menschen das wahre Wesen Gottes vor: Gott fordert zwar auch die Einhaltung der Gesetze, aber sein Gebot lautet: “Liebe Gott und deinen Nächsten.” Der grösste Segen, den Gott uns schenkt, ist das ewige Leben. Gott straft uns nicht, wenn wir uns nicht an alle göttlichen Gesetze halten. Er liebt jeden Menschen. Der einzige Feind, den wir haben, ist die Sünde. So muss Jesus in uns wachsen, während die alttestamentlichen Vorstellungen abnehmen müssen.
Je mehr Jesus in uns wächst, betrachten wir unsere Brüder und Schwestern mit den Augen Gottes.
Priester Hunziker erinnerte sich in seinem Mitdienen an eine Physikstunde, in der es hiess: „Wo ein Ding ist, kann kein anderes sein.“ Ein volles Glas Wasser veranschaulicht uns: Wenn wir mit Irdischem erfüllt sind, ist kein Platz für anderes. Hat der Gottesdienst uns „gluschtig“ gemacht, mehr Raum für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist zu schaffen?
Anschliessend diente Hirte Limie mit. Er sprach über Johannes im Gefängnis, der fragte: „Bist du wirklich der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Vielleicht haben auch wir uns an diesem Abend gefragt: „Himmlischer Vater, meinst du mich – oder vielleicht einen anderen?“
Das Busslied wurde als Lesung mit Keyboardbegleitung vorgetragen.
Nach dem Gottesdienst wurde einer Glaubensschwester zum 80. Geburtstag das Happy Birthday gesungen.
Text: René Wanner
Fotos: Uli Ruppel