Apostel Matthias Pfützner ging zu Beginn auf die Besonderheiten dieses Karfreitagsgottesdienstes in der Kirchengemeinde Jenbach ein. Es gab gleich mehrere Gründe zum Feiern - die Sakramente der Heiligen Wassertaufe, der Heiligen Versiegelung (Geistestaufe) und des Heiligen Abendmahls als besondere Zeichen der Liebe Gottes in einem Gottesdienst vereint. Sie passen besonders gut in den Kontext eines Karfreitagsgottesdienstes, denn dieser Tag soll nicht im Mittelpunkt das Leiden und den Tod Jesu betonen, sondern die tiefgründige Liebe, die dahinter steht.
Schwerpunkt der Predigt lag auf Johannes 19, Teile aus Vers 30 und der tieferen Bedeutung von Jesu letztem Wort am Kreuz: „Es ist vollbracht“ - im Griechischen „Tetelestai“. Dieser Begriff wurde in der Antike alltäglich verwendet, etwa beim Bezahlen einer Rechnung. In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass Jesus mit diesem einen Wort ausdrückt, dass alles, was zwischen Gott und Mensch stand, durch seinen Tod getilgt wurde. Es ist nichts mehr offen. Keine Schuld, keine Leistung, kein zusätzliches Bemühen ist mehr notwendig - Gott hat in Christus alles getan. Karfreitag soll kein Tag des Mitleids für Jesu Leiden sein, sondern ein Tag der Erkenntnis: Jesus hat freiwillig und in Liebe den Weg freigemacht. Sein Tod ist keine Niederlage, sondern ein vollendetes Werk. Das Evangelium ruft nicht zur Leistung, sondern zum Vertrauen: Wir müssen nicht selbst genug sein - Jesus war es für uns. Ein Gefühl tiefer Erleichterung. Die Botschaft lautet: Du musst dich nicht mehr rechtfertigen oder abmühen - es ist bereits bezahlt. Das ist die befreiende Kraft des Karfreitags.
Der Apostel ging auch kurz auf die biblische Szene der Kreuzigung ein: Als Jesus stirbt, verfinstert sich der Himmel - mitten am Tag. Diese Finsternis steht symbolisch für das göttliche Eingreifen und zeigt, dass sich die Weltordnung verändert: Der Himmel berührt die Erde. Und mit dem Tod Jesu wird der Himmel für uns geöffnet – jetzt, nicht erst nach dem Tod. Im Zentrum steht die Stimme der ewigen Liebe, die vom Kreuz herab ruft: „Es ist vollbracht.“ Es ist nicht einfach ein leises Abschiedswort, sondern ein lauter Schrei - ein Ruf der Erlösung. Die Predigt vergleicht diese Stimme mit der Erfahrung von Kindern, die Fehler machen, aber statt Strafe Liebe und Vergebung erfahren. Diese bedingungslose Liebe ist das Herz der Karfreitagsbotschaft.
Am Ende wird klar, machte Apostel Pfützner deutlich: Das Kreuz ist kein Symbol von Schmerz, sondern von Hoffnung, Freiheit und vollkommener Liebe. Wer diese Botschaft hört und annimmt, darf in Frieden, mit neuer Kraft und im Bewusstsein der göttlichen Liebe leben – getragen von dem Wissen: Es ist vollbracht. Es ist voll bezahlt. Du bist frei.
Ein Bezirksevangelist aus dem Kirchenbezirk Wien ging in seinem Predigtbeitrag ebenfalls noch einmal auf das Wort Tetelestai ein. "Es ist voll bezahlt - nicht nur angezahlt!" machte er deutlich. Jesus hat mit seiner ganzen Liebe für uns bezahlt, ohne etwas zurückzuhalten. Wir Menschen schaffen es oft nur, ein Stück zu geben, aber Gott schenkt alles. Das zeigt sich auch in so manchen unserer Lieder: Jesus ist die Liebe, die sich überreich verschenkt – ohne Bedingungen, ohne Einschränkungen.
Der Höhepunkt des Gottesdienstes war die Feier der drei Sakramente. In der Vorbereitung auf die Sakramente der Heiligen Wassertaufe und Heiligen Versiegelung stellte der Apostel noch einmal ein paar wesentliche Kerngedanken heraus.
Heilige Wassertaufe - ein Auftrag der Liebe und des Glaubens – Im Zentrum steht die Taufe eines "Herzenskindes", das von den Eltern mit Liebe getragen wird – begleitet von der Großfamilie und engen Freunden. Die Neuapostolische Kirche kennt keine klassischen Taufpaten, doch es geht um geistliche Begleitung: Freunde übernehmen Verantwortung, das Kind im Glauben zu stärken, Eltern zu ermutigen und mitzutragen – besonders an schweren Tagen. Die Taufe bedeutet: Der Himmel öffnet sich, Gottes Liebe wird sichtbar, und ein Kind wird in diese Liebe hineingeboren – nicht zufällig, sondern durch bewusste Entscheidung und Gottes Willen. So wird das Kind in eine Familie gestellt, die es liebt, begleitet – und dem Kind hilft, immer wieder nach oben zu schauen, zum offenen Himmel, den Gott für es bereithält.
Heilige Versiegelung (Geistestaufe) – Gottes Schutz und Eigentum – In der Versiegelung gibt Gott seinen Heiligen Geist in den Menschen – als Zeichen, dass wir zu ihm gehören. Es ist wie ein göttlicher Stempel, der sagt: „Du bist mein.“ Gleichzeitig ist die Versiegelung ein Schutzraum für die Seele: Von außen kann nichts Böses mehr eindringen, und das Heilige in uns wird bewahrt und nicht verschwendet.
Im Anschluss an diese ersten beiden Sakramente wurde dann das Heilige Abendmahl gefeiert. Der Gottesdienst wurde durch zahlreiche Liedbeiträge mitgestaltet.
Im Abschlussgebet dankte der Apostel noch einmal in besonderer Weise für Gottes Liebe, seine Klarheit und seine Gegenwart in den Sakramenten. "Es ist vollbracht" – alles ist beglichen, alles ist gut. Deshalb dürfen wir hoffnungsvoll nach vorne schauen, statt in der Vergangenheit zu verharren. Wir bitten um Gottes Geist, der uns durch die kommenden Ostertage leitet und die Freude der Auferstehung in uns lebendig macht – zum Teilen mit anderen. Gott möge uns auf unseren Wegen begleiten, unsere Familien stärken und uns als seine Kinder in Liebe und Einheit zusammenwachsen lassen. Alle Bitten und Danksagungen, die im Herzen liegen, legen wir in Jesu Namen vor ihn – im Vertrauen auf seine Gnade, Liebe und den Heiligen Geist.