Bezirksabend: Das Gebot der Nächstenliebe

21.02.2024

Auf dem Flug mit der REGA ins Katastrophengebiet betete Monique «Lieber Gott, lass mich zusammen mit meinem Hund wenigstens einen verschütteten Menschen finden». Wir alle freuten uns mit ihr, dass sie gleich am ersten Tag vier verschüttete Menschen aufspüren konnte. An diesem Abend erlebten wir, dass das Gleichnis des «Barmherzigen Samariters» in unserer Zeit genauso gelebt werden kann.

Nach der Begrüssung zum Bezirksabend eröffnete Bezirksevangelist Andreas Schachtner mit ein paar einleitenden Worten den Abend. Zwei bis drei Mal im Jahr bieten wir im Bezirk anstelle des Wochengottesdienstes einen Abend in einer anderen Form an. Ein Thema, welches aber immer einen christlichen Hintergrund hat. Dies auch um aufzuzeigen, dass unser Glaubensleben nicht nur Theorie ist, sondern in der Praxis gelebt wird.

Welches ist das wichtigste Gebot in der Heiligen Schrift? Das Gebot der Nächstenliebe. Das war das christliche Thema von diesem Bezirksabend. Der Bezirksevangelist verwies auf das Bibelwort vom „Endgericht“ von Jesus Christus aus Markus 25 – sowie auf das Gleichnis des „Barmherzigen Samariters“. Für den Nächsten in seiner Not da sein, helfen, unterstützen, trösten - das sind Eigenschaften, die das christliche Leben auszeichnen. Soweit der Kontext zum Inhalt von diesem Abend.

Unsere Glaubensschwester, Monique Koster aus der Gemeinde Wattwil, hat uns sehr authentisch und auf eine berührende Art aufgezeigt, was sie vor einem Jahr, als sie mit ihrem belgischen Schäferhund „Iruka“, während 9 Tagen im Erdbebengebiet an der türkisch-syrischen Grenze Verschüttete aufsuchte, alles erlebte. Sehr eindrücklich war, wieviel Ausbildung, Vorbereitung und Opferbereitschaft notwendig waren, um in solchen Katastrophenfällen Leben zu retten und Menschen zu helfen.

Monique Koster informierte zuerst über die Organisation REDOG (Link zur Organisation ganz unten). Es brauchte fünf Jahre Training, bis sie als Team zur Einsatzfähigkeit gelangt waren und das Vertrauen zwischen Hund und Hundeführerin für solche Extremeinsätze gefestigt war.

Ziel dieser Einsätze ist ganz klar – das Ermöglichen Leben zu retten.

Am 6.2.2023 hat in der Türkei die Erde mit einer Stärke von 7.8 gebebt. Nach der Alarmierung hiess es sofort sich am Arbeitsplatz abmelden, heimgehen, packen (Wäsche, Lebensmittel und Hundefutter), dann zum Flughafen und dort warten. Dann ging es los mit dem Rega Jet ins Katastrophengebiet.

Am Flughafen ging es ohne Pause mit dem Bus über holprige Strassen weiter. Niemand der Rettungsgruppen wusste, was uns erwartet. Als man näherkam, sah man, dass noch viele Häuser stehen, doch als man es näher ansah, erkannte man, dass kein Haus mehr bewohnbar war. Die Stockwerke waren eingedrückt. Ein vier- oder fünfstöckiges Haus war nur noch ein Haus mit drei Stockwerken.

Als wir am ersten Einsatzort aus dem Bus gestiegen waren, sah man auf der Strasse unzählige Menschen, man sah und spürte die unbeschreibliche Trauer. Auf diese Realität waren wir nicht vorbereitet. Das musste man zuerst persönlich verarbeiten. Überall wurden Menschen vermisst. Wir bekamen das erste Einsatzgebiet. Leider haben wir dort keine Menschen gefunden. An der zweiten Einsatzstelle hat sich Iruka sehr ungewöhnlich verhalten. Als dann das Haus durchsucht wurde, wurde eine verstorbene Person gefunden, daher das merkwürdige Verhalten des Hundes.

Beim nächsten Einsatzort wollten sie ein Haus mit Baumaschinen wegräumen. Doch zuerst solle Iruka die Trümmer durchsuchen, um sicherzugehen, dass niemand mehr in den Trümmern liegt. Bei der Durchsuchung der Trümmer war sie zuerst unruhig, dann hat Iruka gebellt und die Rettungskräfte fanden nach ein paar Stunden unter den Betonplatten vier noch lebende Personen.

Auf dem Flug mit der Rega ins Katastrophengebiet betete Monique «Lieber Gott, lass mich zusammen mit meinem Hund wenigstens einen verschütteten Menschen finden». Welche Gnade, dass am ersten Tag Monique und Iruka gleich vier Menschen retten durfte.

 

Monique hat noch weitere Erlebnisse von diesem Einsatz erzählt und uns durch ihre Erzählungen authentisch daran teilnehmen lassen. Alle Anwesenden an diesem Bezirksabend waren sehr berührt durch die Schilderungen von Monique. Die Bilder und kurzen Videosequenzen aus dem Katastrophengebiet haben betroffen gemacht. Doch wir waren auch dankbar zu sehen, dass Menschen bereit waren und sind, für andere Menschen Opfer zu bringen, eigene Bedürfnisse hintenanzustellen, fremden Menschen in der Not zu helfen. An diesem Abend erlebten wir, dass das Gleichnis des «Barmherzigen Samariters» in unserer Zeit genauso so gelebt wird, und wir eine echte «barmherzige Samariterin» aus unserem Bezirk unter uns haben dürfen.

 

REDOG. Das sind rund 750 Freiwillige und rund 600 Hunde, die ausgebildet sind, vermisste und verschüttete Menschen zu finden. Nähere Angaben können hier nachgelesen werden:

https://www.redog.ch

 

Bericht und Fotos: Juerg Hauser